Krank und Fristlose Kündigung – 5 Fakten

Krank und Fristlose Kündigung treffen viele Arbeitnehmer völlig unerwartet und führen zu Unsicherheit. Besonders die Frage nach Lohnfortzahlung sorgt für Verwirrung. In diesem Beitrag klären wir anhand eines konkreten Beispiels, welche rechtlichen Folgen entstehen und welche Möglichkeiten Betroffene haben.

Krank und Fristlose Kündigung im Beispiel

Ein Arbeitnehmer meldet sich krank, doch noch am selben Tag erhält er eine fristlose Kündigung. Der Hintergrund: ein selbstverschuldeter Autounfall mit Alkohol am Steuer im Firmenwagen. Kurz darauf stellt der Arzt rückwirkend eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus. Genau in dieser Konstellation entsteht die Frage, ob ein Anspruch auf Lohnfortzahlung nach § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) besteht oder ob der Arbeitgeber sofort von jeder Zahlungspflicht befreit ist.

Rechtliche Einordnung des Falls

Nach § 626 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ist eine fristlose Kündigung zulässig, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, der eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar macht. Das Fahren eines Dienstwagens unter Alkoholeinfluss mit Unfallfolge gilt regelmäßig als grobe Pflichtverletzung und kann eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Damit endet das Arbeitsverhältnis sofort, ohne Einhaltung einer Frist.

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Anspruch auf Lohnfortzahlung prüfen

Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall setzt voraus, dass das Arbeitsverhältnis zum Zeitpunkt der Erkrankung besteht. Ein Anspruch besteht für maximal sechs Wochen, wenn die Arbeitsunfähigkeit nicht selbst verschuldet ist. Hierbei ist entscheidend, ob die Krankheit auf grobes Verschulden des Arbeitnehmers zurückzuführen ist.

Selbstverschuldete Krankheit

Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 EntgFG entfällt die Lohnfortzahlung, wenn die Krankheit durch ein grob fahrlässiges Verhalten entstanden ist. Gerichte haben mehrfach entschieden, dass eine Arbeitsunfähigkeit infolge eines Unfalls unter erheblichem Alkoholeinfluss als selbstverschuldet gilt (z. B. BAG, Urteil vom 18.03.1992 – 5 AZR 147/91). In solchen Fällen besteht kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Kündigung und Krankmeldung

Eine weitere wichtige Frage ist, ob eine rückwirkende Krankschreibung den Anspruch retten kann. Zwar gilt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung grundsätzlich als Beweis für die Krankheit. Wird das Arbeitsverhältnis jedoch durch eine wirksame fristlose Kündigung beendet, endet auch der Anspruch auf Lohnfortzahlung ab diesem Zeitpunkt. Nur wenn die Kündigung im Nachhinein für unwirksam erklärt wird, könnte ein Zahlungsanspruch entstehen.

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Möglichkeiten der Arbeitnehmer

Trotz der schwierigen Ausgangslage haben Betroffene rechtliche Schritte, um ihre Position zu verbessern.

Kündigungsschutzklage erheben

Nach § 4 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) kann der Arbeitnehmer innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben. Ziel ist es, die Unwirksamkeit der fristlosen Kündigung feststellen zu lassen. Häufig wird im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs die fristlose Kündigung in eine ordentliche Kündigung umgewandelt, wodurch der Anspruch auf Lohnfortzahlung teilweise wieder auflebt.

Krankengeld der Krankenkasse

Wenn kein Anspruch gegen den Arbeitgeber besteht, übernimmt die Krankenkasse Krankengeld (§ 44 SGB V). Allerdings setzt dies voraus, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wurde. Auch hier kann Alkohol am Steuer problematisch sein, sodass die Krankenkasse Leistungen verweigern kann.

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Bedeutung für die Praxis

Der Fall zeigt, wie eng die Fragen von Krankmeldung und fristloser Kündigung miteinander verbunden sind. Viele Arbeitnehmer glauben, eine Krankschreibung biete einen besonderen Kündigungsschutz. Tatsächlich gibt es diesen Schutz nicht – eine Kündigung während der Krankheit ist rechtlich zulässig. Entscheidend ist allein, ob die Kündigung sachlich gerechtfertigt ist.

Rolle des Arbeitsamtes

Wird ein Arbeitnehmer während einer Krankheit gekündigt, muss er sich dennoch arbeitslos melden, um Ansprüche auf Arbeitslosengeld zu sichern. Unterlässt er dies, drohen Sperrzeiten nach § 159 SGB III. Auch wenn die Krankenkasse oder das Arbeitsamt unterschiedliche Aussagen machen, ist es rechtlich sicherer, eine sofortige Meldung vorzunehmen.

Chancen und Risiken

Eine Kündigungsschutzklage kann das Risiko mindern, völlig ohne Einkommen dazustehen. Allerdings hängt der Erfolg stark von den Umständen ab. Bei Alkohol am Steuer mit Unfall sind die Chancen deutlich reduziert. Dennoch kann sich ein gerichtlicher Vergleich lohnen, um zumindest die fristlose Kündigung abzumildern.

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Fazit

Der Fall rund um Krank und Fristlose Kündigung zeigt, wie komplex die rechtlichen Fragen für Arbeitnehmer sein können. Eine Krankschreibung bedeutet nicht automatisch Schutz vor einer fristlosen Kündigung, insbesondere dann, wenn ein schwerwiegender Pflichtverstoß wie Alkohol am Steuer mit Unfall im Spiel ist. Dennoch lohnt es sich für Betroffene, eine Kündigungsschutzklage einzureichen, da in vielen Fällen zumindest eine Umwandlung in eine ordentliche Kündigung erreicht werden kann. Für den Anspruch auf Lohnfortzahlung ist entscheidend, ob die Krankheit selbstverschuldet ist und ob das Arbeitsverhältnis rechtlich noch Bestand hat. Arbeitnehmer sollten daher schnell handeln, ihre Rechte prüfen lassen und gegebenenfalls rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen.

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FAQ

Habe ich Anspruch auf Lohnfortzahlung trotz fristloser Kündigung?

Ein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht grundsätzlich nur, solange ein Arbeitsverhältnis besteht. Wird eine fristlose Kündigung wirksam ausgesprochen, endet dieser Anspruch sofort.

Was passiert, wenn die Krankheit durch eigenes Verschulden entstanden ist?

Nach § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz besteht kein Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn die Krankheit auf grob fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten zurückzuführen ist, wie etwa ein Unfall unter Alkoholeinfluss.

Kann ich während einer Krankheit fristlos gekündigt werden?

Ja, Krank und Fristlose Kündigung schließen sich nicht aus. Eine Kündigung während einer Krankheit ist rechtlich möglich, wenn ein wichtiger Grund vorliegt.

Was bringt eine Kündigungsschutzklage in diesem Fall?

Durch eine Kündigungsschutzklage kann geprüft werden, ob die fristlose Kündigung rechtmäßig war. Häufig wird dabei ein Vergleich geschlossen, der die fristlose Kündigung in eine ordentliche Kündigung umwandelt.

Zahlt die Krankenkasse Krankengeld, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt?

Die Krankenkasse kann Krankengeld zahlen, allerdings nur dann, wenn die Arbeitsunfähigkeit nicht grob selbstverschuldet entstanden ist. Bei Alkohol am Steuer ist die Leistung oft ausgeschlossen.

Muss ich mich trotz Krankheit beim Arbeitsamt melden?

Ja, auch wenn eine Krankheit vorliegt, sollten Sie sich vorsorglich arbeitssuchend und arbeitslos melden, um Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld zu vermeiden.

Welche Rolle spielt eine rückwirkende Krankschreibung?

Eine rückwirkende Krankschreibung belegt die Arbeitsunfähigkeit, ändert aber nichts daran, dass nach einer wirksamen fristlosen Kündigung kein Anspruch auf Lohnfortzahlung mehr besteht.

Kann der Arbeitgeber immer fristlos kündigen, um Lohnfortzahlung zu umgehen?

Nein, eine fristlose Kündigung erfordert einen wichtigen Grund nach § 626 BGB. Allein die Absicht, Lohnfortzahlung zu sparen, ist rechtlich kein zulässiger Kündigungsgrund.

Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld nach einer fristlosen Kündigung?

Grundsätzlich ja, allerdings droht eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen, wenn der Arbeitnehmer die Kündigung selbst verschuldet hat, etwa durch grobes Fehlverhalten.

Lohnt sich ein Anwalt in solchen Fällen?

Unbedingt. Gerade bei Krank und Fristlose Kündigung kann ein Anwalt einschätzen, ob die Kündigung wirksam ist, und helfen, Ansprüche auf Lohnfortzahlung oder Krankengeld durchzusetzen.

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